Es soll ja Menschen geben, die Spaß daran haben, Dinge zu sammeln. Von Pokémon-Karten, über Kühlschrankmagneten, bis hin zu Autogrammen berühmter Persönlichkeiten. Die Leidenschaft des Sammelns zeigt sich in vielen Facetten. Ich weiß ja nicht, wie es bei euch aussieht, oder ob jemand diese Leidenschaft teilt, aber ich habe eine seltsame Schwäche dafür, Tupperware und diverse andere multifunktionale Küchenutensilien zu kaufen bzw. anzusammeln.
Wo manche sich durch Drogerie oder Einkaufsmärkte schlagen und sich in der Self-care Abteilung aufhalten, fahre ich voll darauf ab, mir die neuste Innovation zum Thema Lebensmittelaufbewahrung anzuschauen: „Das neue Stapelset Coral X2Pro tmv16, oder so, mir drei Aufbewahrungsstockwerken, luftdichtem Vakuumverschluss, integriertem Besteckset, welches sich auch noch für optimal minimalistische Verstaubarkeit einklappen lässt, dem inklusiven Salatfach, der kompatibel gestalteten Wasserflasche im Retro Look….“ Ich glaube man versteht, worauf ich hinaus will.
Ich habe einfach eine Schwäche dafür, gerade wenn die höhenverstellbaren Stockwerke ein befriedigendes „Klick“-Geräusch beim Einrasten machen. Aber was ist denn nun eigentlich Tupperware, warum verbinden wir es mit älteren Menschen und ist das vermarktete Prinzip der „Aufbewahrung“ eigentlich noch aktuell? Viel interessanter ist nicht die allseits bekannte Selbsttest-Frage: „Wenn ich ein Tier wäre, welches wäre ich dann?“ Nein, die Frage ist viel eher: „Wenn Tupperware ein Tier wäre, welches wäre es dann?“ (Im Deutschunterricht wäre „Sein oder nicht Sein“ die richtige Antwort gewesen, nur so als Tipp!)
Pure Nostalgie
In meiner oder noch eher in der früheren Generation erinnern sich vielleicht viele an ein solches Szenario: Man ist bei seiner Oma zu Besuch und hat den Fehler begangen, sich „freiwillig“ für einen Abend als Cuisinièr der gesamten Verwandtschaft zu melden…. Also gut, man hat jetzt eben die Aufgabe, ein halbwegs vernünftiges Abendessen zu zaubern, kennt sich aber weder mit Kochen noch mit der Kücheneinrichtung seiner Großmutter aus. Und während man gerade noch die Frage ins Wohnzimmer hineinruft, wo denn das verdammte Schneidebrett sei, wird man von einem Wall aus Tupperware erschlagen, weil man den Fehler begangen hat, den mannshohen Tupperschrank zu öffnen. Ein gefühlt metertiefes Ungetüm aus einzelnen, unbeschrifteten Kunststoffdosen und losen Deckeln, die alle bereits leicht vergilbt sind und nicht mehr ganz danach aussehen, als würde man sein Essen darin lagern wollen. Ach ja, was ein nostalgisches Gefühl….
Das Urgestein Tupperware
Aber nun zu den harten Fakten, denn hinter der rosa-roten Plastik-Brille steht ein patriarchalisches Monopol, welches es, haltet euch fest, es nicht mal mehr gab! Zumindest bis vor ein paar Monaten. Das Urgestein Tupperware war ursprünglich ein US-amerikanisches Unternehmen, dass sich auf die Produktion von Küchen- und Haushaltsartikeln aus Kunststoff spezialisiert hat. Es wurde 1938 vom Chemiearbeiter Earl Silas Tupper gegründet, der bei einem Chemiekonzern den Kunststoff Polyethylen (PE) kennenlernte. Die ersten Aufträge der damaligen Tupperware Plastic Company wurden allerdings in Form von Gasmasken und Signallampen für das amerikanische Militär angefertigt. Da Kühlschränke in der amerikanischen Gesellschaft der 1940er Jahre noch nicht zur allgemeinen Küchenausstattung gehört haben, waren Produkte wie die „Wonderlie Bowl“ (Wunderschüssel aus Plastik) ein Riesenerfolg, da man erstmalig Lebensmittel länger haltbar machen konnte.
Skandale im Plastikbezirk
Im Laufe der Tupperwaren- Geschichte gab es aber neben Küchenutensilien auch einige Skandale, die zwar den damaligen Zeitgeist widerspiegeln, dadurch aber nicht weniger schlimm sind. Eine der Pionierinnen von Tupperware war Brownie Wise. Sie erfand das Konzept der Tupperpartys, also Treffen, bei denen sich Omas zusammensetzen, um Empfehlungen für Tupperware-Produkte zu bereden. Ihr Konzept, auf die persönliche Bindung zwischen Verkäufer und Kunde zu setzen, wird bis heute in Unternehmen verwendet und Brownie stieg zu einer der Leitenden Personalangestellten auf. Allerdings war sie als erfolgreiche Frau ein Dorn im Auge des Unternehmensleiters Silas Tupper, der befürchtete, die Kunden könnten sich zunehmend an Wise binden und nicht an das Produkt selbst. Daher wurde sie 1985 ohne jegliche Begründung entlassen und aus der Unternehmenschronik getilgt, was einen deutlichen Ausdruck patriarchalischer (von Männern, die sich Frauen überordnen, ausgeführte) Diskriminierung darstellt.
Die neue Generation
Im heutigen Meal-Prep-Zeitalter ist das Modell von Tupperware natürlich hoch gefragt, wer hat die Videos von amerikanischen Müttern nicht schon gesehen, in denen diese einen Jahresvorrat an Essen für ihre fünfköpfige Familie vorkochen, um diesen dann in separaten Aufbewahrungsdosen zu verschachteln, damit der eigene Kühlschrank aussieht wie ein Vorratslager aus dem Ersten Weltkrieg. Tupperware meldete zwar 2024 Insolvenz an, konnte aber ab 2025, dank europäischer Führung, wieder in die Produktion gehen, um den Mythos der Insolvenz aufzuheben, der natürlich ähnlich präsent ist, wie die Debatte, ob die Queen wirklich gestorben sei. In aktuellerer Form vertreibt die Marke Mepal aus den Niederlanden ebenfalls solche Haushaltswaren, die entsprechend etwas moderner aussehen.
Wenn Tupperware ein Tier wäre…
Ja und dann gibt es natürlich die Eine-Millionen-Euro-Frage. Neben Tieren die besonders stark sind, sich schnell fortbewegen können, giftig sind oder eine ausgeprägte Bisskraft haben, interessiert mich besonders, welche Spezies unserer globalen Fauna eigentlich Attribute von Tupperware teilen. Die Antwort auf diese Frage ist wie immer vielseitig.
Luftdichte
Da gäbe es zum einen Fischotter, die sich durch besondere Luftdichte auszeichnen. Fischotter verbringen einen Großteil ihres Lebens im Wasser und müssen dafür agile und angepasste Schwimmer sein. Sie haben in der Tier- und Menschenwelt, das dichteste Fell, mit unfassbaren 50.000 Haare pro Quadratzentimeter, was ungefähr der Fläche meines Fingernagels entspricht. Wir Menschen hingegen haben nur zwischen 124 und 200 Haare pro Quadratzentimeter, also nicht gerade das große Los gezogen. Das Fell des Fischotters ist durch mikroskopisch kleine, ineinandergreifende Rillen verzahnt, was in Kombination mir der Haardichte zu einer wirkungsvollen Isolation gegen Kälte führt. Nun gut, aber das kann es ja nicht gewesen sein, da muss es noch etwas Offensichtlicheres, Simples geben.
Haltbarkeit
Wenn man den Bereich Langlebigkeit betrachtet, darf man Schwämme nicht außer Acht lassen, besonders den Glasschwamm „Anoxycalyx Joubini“. Simpel, wie gesagt. Diese Art hat von allen Tierarten den langsamsten Stoffwechsel, da sie in arktischen Gewässern vorkommt, und wird bis zu 10.000 Jahre alt. Die Schwämme haben ein vasenförmiges Aussehen und werden bis zu zwei Meter hoch, mit einem Durchmesser von einem Meter. Also keine kleine Küchenvasen.
Lebensmittelaufbewahrung
Wenn man sich noch weiter in die Tupperattribute hineingräbt, darf man die Aufbewahrung von Lebensmitteln nicht vergessen. Und bevor man an das Eichhörnchen denkt, sollte einem das Kamel in den Sinn kommen. Neben Aktivitäten, wie durch ein Nadelöhr schreiten, können diese Tiere nämlich auch Fett in ihren Höckern speichern, das als Energiereserve dient. Zudem sind sie dazu in der Lage, durch oval geformte Erythrozyten, also rote Blutkörperchen, in kürzester Zeit sehr viel Wasser vom Verdauungstrakt in ihr Kreislaufsystem aufzunehmen, bis zu 200 Liter in 15 Minuten! Als interessante Randinformation: Kamele bewegen sich im sogenannten Passgang fort, was bedeutet, dass sie abwechselnd das linke und rechte Beinpaar bewegen. Wegen der schaukelnden Bewegung beim Reiten werden sie „Wüstenschiffe“ genannt.
Kompatibilität
Gut und schön, aber um es wirklich auf die Spitze zu treiben; es gibt auch Tiere, die Teile ihres eigenen Köpers abtrennen können, ähnlich wie bei einer Tupperdose mit abnehmbarem Deckel. Da gibt es zum einen Axolotl, die Teile ihres Körpers nachwachsen lassen. Wesentlich unlogischer und dadurch amüsanter sind allerdings Seegurken. Genauer gesagt, die Königsseegurke „Stichopus regalia“. In Gefahrensituationen oder aufgrund von Stress, der bei schlechten Umweltbedingungen aufkommt, haben spezifische Seegurken einen Verteidigungsmechanismus entwickelt. Sogenannte Seewalzen besitzen dafür Cuviersche Schläuche, Organe, die zur Feindabwehr dienen. Die Seewalze stülpt dafür ihren Couvierschen Schlauch nach Außen, so, als würden wir unsere Speiseröhre nach außen strecken. Dieser bildet bei Kontakt mit dem Meerwasser zähe, klebrige Fadennetze, in denen sich Fische, Krebstiere oder auch Beutetiere verfangen können. Die Königsseegurke bringt dieses Naturphänomen aber auf ein anderes Level. In Gefahrensituationen stößt diese Seegurken-Art ihre gesamten Eingeweide aus, um den Feind zu verwirren. Die inneren Organe wachsen innerhalb weniger Tage, bis hin zur Wochen nach. „Was zum Teufel... Warum?“, denkt man sich bei der Erkenntnis über diese Tatsache vielleicht. Nun ja, Seegurken scheinen Konflikten eher aus dem Weg zu gehen, anstatt sie auszudiskutieren. Sie geben sich damit zufrieden, ihre Körperteile tupperwarenartig auszuklicken und nach einem vorbildhaften multifunktionalen Modul, einfach nachwachsen zu lassen. Aber welcher dieser interessanten Vertreter der Tierwelt hat jetzt das Tupper-Monopol, die Auszeichnung der Stiftung Warentest für „sehr gute Haltbarkeitseigenschaften“ gewonnen? Also nach dem Titel dieses Artikels müsste der Gewinner schon feststehen. Persönlich finde ich die Seegurke trotzdem ein bisschen absurder, daher hat sie diesen Wettbewerb der Herzen gewonnen.
Sammelt, was das Zeug hält!
Final kann man also sagen, dass Tupperware ein ganz schön diverses Thema ist. Zumindest je nach Auslegung. Ich denke, dieser Artikel ist ein Paradebeispiel dafür, dass man den Gedankengängen seines Hirns auch mal freien Lauf lassen darf und dass dabei faszinierende Dinge herauskommen. Wie immer ist die Natur, die uns umgibt, ein unfassbares Spektrum, das nie genug erforscht werden kann. In jeder Nische lauern neue und spannende Fakten, die nur darauf warten, durch kreative Verknüpfungen, zum Beispiel mit dem Sammeln von Tupperware, in einen Schülerzeitungsartikel geschrieben zu werden! Sammeln ist schon was Schönes und es macht uns Menschen glücklich. Vielleicht hat jeder Mensch eine kleine Liebe fürs Sammeln in sich, die ihn positiv an eine schöne Zeit in seinem Leben erinnert. Daher appelliere ich an jeden: Sammelt, was das Zeug hält, egal, was andere darüber denken, solange es euch erfüllt!